In Haiti nutzt die Bevölkerung den von uns unterstützten Mory-Kanal zur Bewässerung und für andere Aktivitäten.
Im Krankenhaus von Hemalkasa gibt es keine Pause.

Seit 1986 ist Nouvelle Planète in zahlreichen Ländern aktiv. In mehreren davon haben wir uns jedoch zurückgezogen. Ein Blick zurück auf diese oft wenig bekannten Geschichten.

Philippinen, Gabun, Indien, Haiti, Kamerun, Uganda und schliesslich Myanmar sind die Länder, in denen Nouvelle Planète aus verschiedenen Gründen seine Aktivitäten eingestellt hat: die Verschlechterung der Sicherheitslage in Kamerun und Myanmar, die Schwierigkeiten, unsere Projekte in dem herausfordernden sozioökonomischen Umfeld Haitis umzusetzen, die Herausforderung, unseren Ansatz in die Strukturen der Gesellschaft in Uganda zu integrieren, sowie die wachsende Selbstständigkeit unserer Partner auf den Philippinen und in Indien im Laufe der Zeit, die unsere Unterstützung weniger nötig machte. Über diesen Erfolg freuen wir uns. Erinnerungen und prägende Anekdoten bleiben in unseren Archiven erhalten und zeugen vom Engagement während unseres Wirkens in diesen Ländern.

Prägende Ereignisse

„Arbeit baut auf, Wohltätigkeit tötet“, sagte Baba Amte. Dies ist der Leitspruch, der die Besucher beim Eintreffen in der Gemeinschaft Anandwan in Indien begrüsst (www.maharogisewasamiti.org). Dort finden Menschen, die an Lepra erkrankt sind, sowie andere gesellschaftlich Ausgeschlossene ein Zuhause. Nouvelle Planète hat über zwanzig Jahre hinweg mit innovativen Projekten, wie der Gründung eines therapeutischen Orchesters, zu ihrer Entwicklung beigetragen. Die Verankerung dieser Massnahmen in einer engagierten und ihrer Zeit vorausblickenden Vision hat uns stets tief beeindruckt. Der Verein setzt seine bemerkenswerte Arbeit bis heute fort.

ERDA (erdafoundation.ph), 1974 vom Jesuiten Pierre Tritz, unserem früheren Partner auf den Philippinen, gegründet, unterstützt vor allem benachteiligte Kinder beim Zugang zu Bildung. Nouvelle Planète förderte insbesondere Projekte für inhaftierte Kinder, um deren Wiedereingliederung in den Alltag zu erleichtern und Rückfälle in kriminelles Verhalten in den benachteiligten Vierteln von Manila zu verhindern. Diese spezielle und einzigartige Arbeit wird weiterhin fortgesetzt.

In Kamerun haben wir bis 2016 in Zusammenarbeit mit CDVTA in den englischsprachigen Gemeinschaften im Westen des Landes gearbeitet. Wir haben Gemüsegärten angelegt, die Bienenzucht gefördert und Schulen saniert. Die Vision von Francis Njuakom Nchiis, Gründer von CDVTA, eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Generationen zusammenarbeiten, um Menschen in Not zu unterstützen und Solidarität zu fördern, stützt sich auf ein Netzwerk von über 450 Freiwilligen.

In Haiti unterstützte Nouvelle Planète die lokale Bevölkerung, zum Beispiel durch die Werkstätten in Camp Perrin von 1991 bis 1996, die Sanierung des Kanals von Mory im Jahr 2005 und die Förderung einkommensschaffender Aktivitäten wie Joghurtherstellung, Rizinusölproduktion und Maismahlen, ganz zu schweigen von den zahlreichen geförderten Schulen. Leider erschwerten die soziale und politische Instabilität die Nachbetreuung dieser Interventionen, zusätzlich zu den verheerenden Folgen des Erdbebens von 2010. Kein anderes Land stellte uns vor so viele Herausforderungen.

Die Einsätze in Uganda begannen 2001 mit der Unterstützung des Waisenhauses St. Moses in Jinja. In den letzten Jahren der Zusammenarbeit wurde intensiv daran gearbeitet, die Selbstständigkeit zu fördern, insbesondere durch die Einrichtung einer Farm, die Gemüseanbau und Viehzucht kombiniert. Anschliessend wurden zahlreiche Schulen unterstützt und in den Gemeinschaften bis 2019 Systeme zur Regenwassernutzung für Familien eingerichtet.

Die Arbeit von Willy Randin im Albert-Schweitzer-Krankenhaus in Lambarene in Gabun war eine der Inspirationsquellen für die Gründung von Nouvelle Planète im Jahr 1986. Anschliessend wurden dort regelmässig Interventionen und Einsätze durchgeführt, bis 2005, um die Patientenversorgung zu verbessern. Das Krankenhaus ist weiterhin in Betrieb und wird von Vereinen aus ganz Europa unterstützt.

Ein Projekt, das Masstäbe setzt: Das Krankenhaus von Hemalkasa in Indien

Seit 1976 unterstützt der Verein Lok Biradari Prakalp (www.lokbiradariprakalp.org) ethnische Minderheiten, wobei Gesundheit und Bildung im Zentrum seiner Arbeit stehen, durch sein Krankenhaus und seine zweisprachige Schule. Zwischen 2013 und 2015 finanzierte Nouvelle Planète den Bau eines neuen Krankenhauses als Ersatz für das alte, mit einer Investition von über einer halben Million CHF, was dieses Projekt zum bislang grössten Geförderten machte. Heute werden im Krankenhaus über 45‘000 Patienten pro Jahr unter Bedingungen behandelt, die in der gesamten Region ihresgleichen suchen.

Interventionen, die eine Region verändern: Bildung in Tonzang in Myanmar fördern

In den abgelegenen Bergen des Chin-Staates im Nordwesten Myanmars haben wir sechs Jahre lang daran gearbeitet, die schulische Versorgung zu verbessern, indem wir neun Grundund Sekundarschulen sanierten. Bis dahin hatte die Bevölkerung keinerlei Unterstützung von aussen erhalten. Über 2‘500 Schüler besuchten regelmässig den Unterricht, bis 2021 der Konflikt nach dem Putsch der Militärjunta ausbrach. Seitdem versuchen die Lehrkräfte, in einigen Dörfern trotz extremer Instabilität einen Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Heute ist es unmöglich, dorthin zu reisen.

Zeit für den Rückzug

Die Länder und Interventionsregionen ändern sich, ebenso wie der Ansatz von Nouvelle Planète, der sich im Laufe der Jahre und Erfahrungen weiterentwickelt hat und strategische Anpassungen erforderte.

Die eigentliche Herausforderung bleibt jedoch, den richtigen Zeitpunkt für den Rückzug aus einem Land zu bestimmen. Diese Entscheidung, obwohl wohlüberlegt und sorgfältig vorbereitet, ist schmerzhaft, da die Beziehungen über das rein Berufliche hinausgehen. Dennoch bleiben wir mit den meisten dieser Partner in Kontakt, und die Beziehung wird in anderer Form fortgeführt. Manchmal bieten Besuche sogar die Gelegenheit, die Spuren von Nouvelle Planète in diesen Ländern nachzuverfolgen.

Xavier Mühlethaler